Innenarchitektur

Kinderzimmer gestalten: 7 Prinzipien, die mitwachsen

Schlafen, lernen, spielen, verstauen — meist auf 12 bis 15 m². Sieben Prinzipien aus der Praxis in Berlin und Brandenburg für ein Zimmer, das mitwächst.

Alla Tatarchuk

Alla Tatarchuk

Alla Tatarchuk ist Interior Designerin in Berlin. Seit 2017 gestaltet sie Wohn-...

Kinderzimmer gestalten: 7 Prinzipien, die mitwachsen

Kein Raum in einer Wohnung muss so viel leisten wie ein Kinderzimmer. Schlafzimmer, Arbeitszimmer, Spielfläche, Stauraum und Rückzugsort — alles auf zwölf bis fünfzehn Quadratmetern. Und anders als bei einem Wohnzimmer ändert sich die Nutzung nicht in zehn Jahren, sondern in drei.

Genau daran scheitern die meisten Kinderzimmer, die ich sehe: Sie sind gut für ein bestimmtes Alter geplant — und danach stimmt nichts mehr. Die folgenden sieben Prinzipien wende ich in der Praxis immer wieder an, damit das Zimmer von Anfang an funktioniert und später nur noch Details getauscht werden müssen.

#1. Zuerst die Zonen, dann die Möbel

Bevor ich an ein einziges Möbelstück denke, teile ich das Zimmer in drei Zonen: Schlafen, Arbeiten, Verstauen. Jede Zone braucht eine eigene Wand oder einen klar definierten Bereich — sonst überlagern sie sich und das Zimmer wirkt ständig unaufgeräumt, auch wenn es das nicht ist.

Der häufigste Fehler: Das Bett steht mitten im Raum oder vor dem einzigen Schrank. Danach ist jede weitere Entscheidung ein Kompromiss. Die Zonierung entscheidet über das Zimmer, nicht die Möbelauswahl.

#2. Eine Wand, eine Linie

In schmalen Zimmern — und Kinderzimmer sind fast immer die schmalen Zimmer einer Wohnung — ist die wichtigste Entscheidung, die lange Wand als eine einzige durchgehende Konstruktion zu planen statt als Reihe einzelner Möbel.

Kleiderschrank, offenes Regal und Schreibtisch in einer durchgehenden Flucht wirken ruhig. Dieselben drei Funktionen als drei freistehende Möbel mit unterschiedlichen Höhen, Tiefen und Farben wirken eng — obwohl sie exakt gleich viel Platz brauchen.

Genau so ist das Kinderzimmer in einem Berliner Projekt in Pankow entstanden: eine deckenhohe weiße Schrankwand, daran anschließend ein offenes Regal in Salbeigrün und direkt daneben der Schreibtisch. Aus Stauraum und Arbeitsplatz wird eine Linie statt drei Baustellen.

#3. Bis zur Decke bauen

Der Meter zwischen Schrankoberkante und Decke ist der am häufigsten verschenkte Stauraum in Kinderzimmern. Er sammelt Staub und Kisten und macht den Raum optisch niedriger, weil das Auge an der Schrankkante stoppt.

Deckenhohe Schränke lösen beides gleichzeitig: Sie geben etwa dreißig Prozent mehr Stauraum und ziehen die Linie nach oben. Oben lagert, was selten gebraucht wird — Winterkleidung, Erinnerungskisten, Spielzeug der vergangenen Phase. Unten bleibt der Alltag.

#4. Der Arbeitsplatz gehört ans Licht, nicht in die Ecke

Ein Schreibtisch, der zur Wand und weg vom Fenster steht, wird ab der dritten Klasse nicht mehr benutzt. Das Kind setzt sich dann an den Küchentisch — und der Schreibtisch wird zur Ablagefläche.

Der Arbeitsplatz braucht Tageslicht von der Seite, eine Tiefe von mindestens sechzig Zentimetern, eine Steckdose in Tischhöhe und Platz für einen echten Bürostuhl. Das klingt banal, entscheidet aber darüber, ob der teuerste Quadratmeter im Zimmer genutzt wird oder nicht.

#5. Farbe zurücknehmen, Charakter über eine Fläche geben

Bunte Kinderzimmer altern schnell. Was mit vier Jahren begeistert, ist mit neun peinlich — und dann steht ein Umbau an, der nicht geplant war.

Mein Ansatz: Die Möbel bleiben ruhig — Weiß, warmes Holz, ein gedämpfter Farbton. Den Charakter gibt eine einzige Fläche: eine Tapete, eine farbige Regalinnenseite, ein Wandpaneel. Diese eine Fläche lässt sich in fünf Jahren für wenig Geld tauschen, ohne dass das Zimmer neu möbliert werden muss.

Eine Fototapete mit gedämpftem Motiv funktioniert dafür besser als drei bunte Möbel: Sie gibt dem Raum Tiefe, ohne ihn kleiner zu machen.

#6. Licht in drei Ebenen planen

Ein Kinderzimmer braucht drei Lichtarten, und zwar getrennt schaltbar: Grundlicht an der Decke zum Aufräumen und Spielen, gerichtetes Licht am Schreibtisch zum Lernen, weiches Licht am Bett zum Lesen und Einschlafen.

Wird das erst nach dem Streichen entschieden, hängt am Ende überall ein Kabel entlang der Wand. Licht gehört in die Planung, nicht in den Baumarkt-Einkauf danach.

#7. Das Besondere des Kindes mitplanen

Das ist der Punkt, den Standardlösungen grundsätzlich nicht abbilden: Ein Kind spielt Klavier, das nächste malt, das dritte baut Modelle, das vierte braucht Platz für Sport.

In dem Pankower Zimmer war es das Digitalpiano. Es hat einen festen Platz an der Fensterwand bekommen — mit Steckdose und freiem Raum für die Bank. Nicht nachträglich hineingestellt, sondern als Teil der Planung. Das ist der Unterschied zwischen einem Zimmer, in dem ein Kind wohnt, und einem Zimmer, das für dieses Kind gemacht wurde.


Ein gutes Kinderzimmer braucht keine zusätzlichen Quadratmeter. Es braucht eine klare Zonierung, eine durchgehende Linie statt vieler Einzelmöbel, Stauraum bis zur Decke und eine Planung, die das nächste Alter schon mitdenkt.

Wenn Sie ein Kinderzimmer neu planen — ob im Rahmen einer ganzen Wohnung oder als einzelnes Zimmer, in Berlin, Brandenburg oder deutschlandweit online — schreiben Sie mir gerne. Die erste Beratung ist kostenlos, und oft zeigt schon der Grundriss, wo das eigentliche Potenzial liegt.